
Werte Leserschaft,
nein, dies wird kein Fan-Boy Artikel werden. Ich würde auch gerne noch loswerden, dass ich die immer wieder aufflammenden Diskussionen Apple-Gefolgschaft, blindes Hypen etc. so langsam nervig finde. Ja, es gibt sicherlich Apple Käufer, die sich ein Produkt kaufen, um “IN” zu sein. Nein, es ist nicht die Mehrheit. Nein, ein Produkt ist nicht alleine deshalb gut, weil es von Apple kommt.
Ich habe ganz bewusst ein paar Tage verstreichen lassen, bevor ich dazu etwas schreiben wollte. Die Reaktionen waren/sind ja vielfältig, von diesem Artikel (GIZMODO) bis hin zu der wirklich guten, objektiven Story von S. Frey (The Guardian) hier, einer der aus meiner Sicht wirklich besten Artikel findet Ihr hier (Computerworld, R.Faas). Bevor ich auf das Produkt aus meiner Sicht eingehe, hier ein paar Dinge, die die Kritiker angesprochen haben:
Goßer, hässlicher Rahmen, kein Multitasking, keine Kamera, Touch Keyboard, No HDMI Out, The Name “iPad”, No Flash, Adapters, No Widescreen, kein T-Mobile 3 G Support, A ein geschlossenes ECOS- System.
Um es kurz zu machen, über die “Schönheit” lässt sich bekanntlich immer streiten, sonst wären wir vermutlich alle mit Heid-Klum-what-ever verheiratet. Multtasking, auch wenn nicht in der 1. Generation relaisiert, läßt sich einfach nachrüsten/freischalten: per Firmwareupdate (es geht hier um die innovative Software, die angepasst werden kann), keine Kamera (2. Generation?), Touch Keyboard ist ja auch sehr logisch bei einem Touch Gerät, ausserdem gibt es per Zubehör eine physikalische Tastatur zum Anschluss oder per Bluetooth, HDMI Output ist bei einem mobilen Gerät wohl auch eher fragwürdig, könnte aber noch in einer 2. Generation kommen, der Name iPad, wobei wir wieder beim Thema Schönheit wären. Adapter, ja warum denn nicht? Wenn man an einem Gerät x-Anschlüsse hat, bleibt wohl wenig für die übrige Technik übrig, also wird dieser nach aussen gelegt (via Adapter)- was ist daran schlimm? Kein Widescreen ist auch Unsinn, denn das iPad skaliert ja dann in der horizontalen auf Widescreen, was natürlich auch in einer begrenzteren Fläche zum Ansehen resultiert.Dies ergibt sich aber aus dem Format und den übrigen Anwendungen des iPad, ob es wirklich limitierend ist, wird die Praxis zeigen. Kein T-Mobile Support stimmt nicht, auch nicht in den Staaten, da iPad unterstützt folgende Frequenzen:
- UMTS/HSDPA (850, 1900, 2100 MHz)
- GSM/EDGE (850, 900,1800, 1900 MHz)
Diese Frequenzen werden in Deutschland und der Welt verwendet: Frequenzen. Selbst in den USA werden die 850er und 1900er für UMTS verwendet, also läuft es damit, es sei denn T-Mobile US würde da komplett von abweichen, was sich meinem Kenntnisstand entzieht.
Ein geschlossenes ECO System? Ja, aber das haben wir beim iPhone etc. auch, selbst Windows ist in gewissen Sinne ein geschlossenes ECO System.
Alles in allem, und auch objektiv gesehen, sind die Kritikpunkte keine. Nochmals: es geht nicht darum ein Produkt über den grünen Klee zu loben, aber zunächst mal eine faire Chance zu geben. Wird das iPad ein Renner? Das weiß ich auch nicht. Ich weiß nur, dass es -je länger ich darüber nachdenke- einiges wieder intuitiver und einfacher machen wird.
Es wird auch darauf ankommen, nicht alles aus der Ferne und Videos/YouTube/Keynote zu betrachten, sondern ein Gerät in den Händen zu halten, was ja auch durch die wachsende Zahl der AppleStores in D oder auch Fachhändler leicht möglich sein sollte.
Ob das iPad am Ende des Tages intuitiv zu bedienen, einfach in der Benutzung ist und es Spaß macht, mit dem Gerät zu arbeiten, wird sich zeigen. Aus dem, was ich bisher gesehen und gehört habe, wird es dies tun, aber ich kann mich selbstverständlich auch täuschen. Die Leute, die sowieso etwas in dieser Richtung besitzen, werden sowieso nicht die Zielgruppe sein, sondern die, die bisher gewartet haben oder eine einfache, simple Methode gesucht haben. So könnte (könnte (!)) sich die Story des iPhones und der iPods wiederholen, denen man bei deren Erscheinen auch nicht diese Entwicklung zugetraut hätte. Viele Punkte, die das iPhone der 1. Generation nicht hatte, sind mittlerweile in der 3. Generation eingeführt worden, und wer weiß, was in der 4. kommt. Genau dieses Potential hat auch das iPad. Letztlich gibt die Hardware den Rahmen vor, aber bei Apple liegt die Stärke in der Software. Ich würde auch wetten, dass spätestens im Laufe diesen oder nächsten Jahres ein Exchange Client integriert wird, ähnlich wie beim iPhone, um das iPad auch an Businessanwendungen heran zu führen. Und dies ist simpel durch Software möglich, ohne dass die Hardware erneuert werden muss.
Als Anwendungsfälle gelten dabei für mich auch nicht nur die 30-somethings, sondern diejenigen, die mit RAM oder HDD nichts mehr anfangen können, weil sie dies aus den “frühen” Tagen überhaupt nicht mehr kennen gelernt haben- diese wollen einfach nur mit einem Gerät arbeiten. Oder die Generation 50+, die z.B. bei einem Buch sich die Schrift größer stellen können, weil die Schrift in einem Buch eben zu klein ist, und den Bedürfnissen nicht mehr entspricht. Oder eine digitale Krankenkarte, die der Arzt sich am Krankenbett im iPad aufruft, als Infobrett, wenn ein Kunde in einem Betrieb eine Besichtigung macht und man ihm die wichtigsten Fakten auf dem iPad visualisiert. Vielleicht starte ich auch ein Experiment und werde meiner Mutter ein iPad schenken, da wir nicht gerade um die Ecke wohnen, sie mit e-Mail etc. aber überhaupt nichts anfangen kann. Diese Generation wird auf einmal befähigt, auch Mails zu schreiben und zu empfangen, sich Fotos vom Enkel anzuschauen etc., ohne jemals mit einem Computer gearbeitet zu haben, auf eine intuitive und simple Art. Und genau diese Beispiele machen für mich persönlich den Erfolg des iPads aus.
Wir werden es sehen, was in einem Jahr ist.
It´s true that we don´t know what we´ve got until we lose it, but it´s also true that we don´t know what we´ve been missing until it arrives.
…und das gilt nicht nur für Apple, sondern für alle Hersteller. Innovation ist der Schlüssel.